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Das Herz soll schneller schlagen

Dienstag, 23. Juni 2009

Gut vernetzt sind die Firmen im IT-Cluster Südhessen.
Lupe

Das Herz der Wirtschaft schlägt in Südhessen. Zumindest wenn es um Computer und Software geht. Denn in und um Darmstadt haben sich bundesweit die meisten Firmen der Branche angesiedelt: Mehr als 12.700 Unternehmen in der Region entwickeln Programme, verarbeiten Daten und halten Rechner am Laufen.

Auf den ersten Blick könne der Wirtschaftsraum zwischen Frankfurt und Heidelberg, Mainz und Aschaffenburg sogar mit Silicon Valley mithalten, sagt eine aktuelle Studie der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Aber eben nur "auf den ersten Blick".

Zwar gilt die Region Südhessen, Rhein-Main und Neckar mit ihrer hohen Dichte an Firmen in Deutschland als führend. Die 80.000 Beschäftigten erwirtschaften mit Technologien zur Information und Kommunikation fast 43 Milliarden Euro im Jahr. Auch sitzen bekannte Namen wie SAP oder Software AG im Cluster. Dennoch gibt es noch viel zu tun, soll das Herz künftig schneller und stärker schlagen.

Die Gründer- und Unternehmenskultur müsse stärker gefördert werden, sagt Ralf Ebert, der mit seinen Kollegen von der TU die Studie erstellt hat. So sollten etwa die Hochschulen mehr als bisher Ausgründungen anstoßen. Auch müssten junge Unternehmen häufiger die teuren Labore und Einrichtungen anderer Firmen sowie der Unis nutzen können. Zudem sollte mehr Gründerkapital aus der Branche selbst kommen.

Defizite erkennen die Wissenschaftler auch, wenn es um berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung geht. Es sei für den IT-Standort enorm wichtig, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten, warnt Ebert. Europa voraus seien die USA auch im Blick auf den Schutz geistigen Eigentums.

Ideen, Geld und Arbeitskräfte seien Elemente, die einen Wirtschaftsraum wachsen ließen. Das amerikanische Vorbild im Silicon Valley boomt seit den 70er Jahren. Die Liste großer Namen ist lang: Apple, Sun, Cisco, Yahoo, Google. Im kalifornischen Tal arbeiten fünfmal mehr Menschen für die IT-Branche als im Raum Rhein-Main und Neckar. Es mangele der Region an international renommierten Firmen, sagt Karl-Heinz Streibich, Chef der Darmstädter Software AG.

Zwar ist sein Unternehmen der weltweit größte unabhängige Anbieter von Infrastruktursoftware für Geschäftsprozesse. Mit 3600 Beschäftigten aber spielt der Konzern eher in der zweiten Liga. Einzig Dietmar Hopps SAP mit Sitz im 70 Kilometer von Darmstadt entfernten Walldorf kann sich mit mehr als 51000 Mitarbeitern unter den Top Five der Softwarehersteller in der Welt behaupten.

Der globale Erfolg von Leitunternehmen sei für die Entwicklung eines Clusters aber mit entscheidend, meinen die Forscher der TU. Denn durch sie werde der Wirtschaftsraum für Investoren und Arbeitskräfte sowie für andere Firmen attraktiv. Der Austausch von Wissen sei auf engem Raum einfacher.

Firmen, Hochschulen und Politik schicken sich nun an, das IT-Cluster Rhein-Main-Neckar "weltweit bekannt zu machen". Gegenüber anderen Standorten wie Silicon Valley oder Bangalore in Indien habe die Region um Darmstadt einen großen Vorteil, meint Streibich: "Die Kunden sind vor Ort." Die Wege zu großen Anwendern wie Fraport, Merck, Lufthansa oder Deutscher Bank seien kurz.

Quelle:

Peter Dietz 
FR-online.de 2009

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